Klopf, klopf und der Wels kotzt 6/14

Es ist Mittags, die Sonne steht im Zenit und brennt erbarmungslos auf meinen Nacken.

Das Ploppen des Wallerholzes zieht die neugierigen Blicke einiger Spaziergänger am Ufer auf mich. Gespannt und hoffend ruht mein Blick auf dem Bildschirm des Echolotes, denn eine Zick- Zack- Linie steigt vom Grund in Richtung der Köderlinie.

 

Ich nehme das Wallerholz in das Boot, der Schweiß läuft mir in die Augen und mein Puls beginnt zu rasen. Die Linie steigt weiter, erreicht die Köderlinie und im selben Augenblick bildet sich das Muster eines verfitzten Wollknäules auf dem Bildschirm.

Gleichzeitig wird die Rutenspitze neben mir in das Wasser gerissen und die Knarre der halbfest eingestellten Multi fängt  an, eine Melodie zu krächzen.

Im Bruchteil einer Sekunde halte ich die Rute in den Händen und  kämpfe mit meinem unsichtbaren Gegner. Nach einigen Minuten, der Handschuh hat inzwischen auch seinen Platz an meinem Griffel gefunden, hat der Waller verspielt und läßt sich widerstandslos ins Boot heben.

Wieder einmal hat das Wallerholz gesprochen und mich zu diesen unglaublichen Augenblicken geführt.

Um mit dieser Methode erfolgreich zu sein, ist das alljährliche Wintertraining in der Badewanne absolute Pflicht, vor allen Dingen wenn man das für einen persönlich passende Holz finden will.

Allerdings nehmen die Erfolge auf dem Wasser mit Fortschreiten des Jahres unglaublich schnell ab. Zum einen ist man nicht der Einzige, der die Waller mit dem Holz ärgert und zu Weißglut bringen will und Welse lernen wie immer schnell dazu und fangen an, einen konsequent zu ignorieren. Zum anderen hat nicht jeder, der sich am Wallerholz versucht, die entsprechenden Fertigkeiten und richtet dabei auch noch Schaden an.

Unsere Vorfahren haben mit dem Wallerholz auf alle Fälle eine gute Entdeckung gemacht, um auch tagsüber auf Wallerjagd zu gehen.

Nicht alle Hölzer halten das, was sie versprechen. Einige Modelle aus dem Laden oder von gewissen Plattformen sind sogar völlig unbrauchbar.

Gute Erfahrungen habe ich mit den Catwood Hölzern gemacht.

Um etwas variabel und schonend für den Rücken zu arbeiten, führt manchmal kein Weg daran vorbei, sich sein eigenes Wallerholz zu kreiren. Unbrauchbaren Ladenhölzern verhelfe ich durch das Austauschen des Kopfes durch einen Eigenbau zu neuem Glanz.

An trüben Wintertagen wird nicht dumm aus dem Fenster geglotzt, sondern etwas Werkzeug zur Hand genommen und Wichtel mäßig ein Wallerholz in Eigenregie gezaubert.

Die Badewanne muß wieder zum testen herhalten und nach mehrtägigen Feinabstimmungen hält man sein eigenes, optimales Wallerholz in der Hand.

Das Holz eignet sich auch, um auf neuen Gewässern einen Überblick über die Fische zu bekommen. Mit der erforderlichen Portion Glück kann man mitunter in kurzer Zeit den ersten Wels ins Boot heben.

Es gibt jedoch keineswegs eine hundertprozentige Bissausbeute (wenn man das so nennen will). Viel Fische langen nur kurz zu oder saugen einem fast unbemerkt den Köder vom Haken.

Ignorieren mich die Wels vollends, hilft manchmal die Änderung der Klangfarbe (Tiefenführung durch das Wasser) oder ich probiere verschiedene Hölzer mit unterschiedlichen Kopfformen aus.

Oberstes Gebot ist jedoch immer:

WENIGER IST MEHR  !!!

Lernen ist mit dem Wallerholz ein Leben lang angesagt, wer es beherrscht kann aber unvergessliche Momente erleben.

Auf ein Neues.