Die Urlaubsverweigerer         30.06. 2016

Nach einer halbjährlichen, arbeitstechnisch bedingten Zwangspause, greifen wir jetzt wieder in das Geschehen ein.

Das Frühjahr ging, bis auf eine nicht näher erwähnenswerte Sitzung, an uns vorbei. Nun liegt der Sommer über dem Land  und es gibt kein Halten mehr.

 

Der Weg zum Wasser ist geschafft und der Angelplatz in Besitz genommen, nachdem  die dort sich aalende Sonnenanbeterin das Feld geräumt hat. Was nicht nötig gewesen wäre, am Ufer kann man auch angeln.   Zur Sache, es folgt das Montieren der Ruten. Mit der "Merkelmontage" sollen die Barteligen überredet werden. Nach Fertigstellung noch eine Runde mit Boot und Echo drehen und die Bekanntschaft mit dem Gewässergrund ist geschlossen.

Ruten raus, der Spaß beginnt. Nur brüllen wir nicht.

Die Nacht lässt allerdings nur die Vermutung aufkommen, daß Piranhas im Gewässer vorhanden sind, denn die Glöckchen stimmen einen sehr seltsamen Gesang an,

der schlagartig um Mitternacht verstummt.

Die morgendliche Kontrolle bringt dann aber völlig unversehrte Köder zu Tage.

Das kann und will ich so nicht stehen lassen.

Aus den Tiefen meiner Hamstertasche befördere ich meine hölzernen Zauberstäbe ans Tageslicht. Das Boot mit seinen winterlichen Umbauten muß außerdem getestet werden - ich hatte keine Lust mehr, nach zwei Stunden mit einem mittleren Bandscheibenvorfall aus dem Boot gemeisselt zu werden. Zwei mögliche Drehstühle mit Lehne sind da einladender.

Das Echo fand auch nie einen optimalen Platz - bis jetzt.

Die nächsten 3 Stunden kreuze ich auf dem Wasser, die Sonne ist dabei äußerst bemüht, meine Arme mittels eines Sonnenbrandes zu erlahmen und die Waller scheinen gemeinschaftlich viele Kilometer südlich, in Urlaub gefahren zu sein.

Nach einer Mittagspause zieht es mich, schon um dem geistigen Dünnschiß aus dem Radio zu entfliehen, wie einen Vikinger, wieder aufs Wasser.

Die Reise geht in einen hindernisreicheren und flacheren Teil des See`s.

Einige graue Haare später lockt das Wallerholz dann doch zwei Urlaubsverweigerer unter einem Gestrüpp hervor.

Ich kann sie zwar zweimal bis zum Köder löffeln, aber viel mehr wie einen Lachanfall kann ich bei den beiden wohl nicht hervorrufen. Dann verabschieden sie sich und das treibende Boot ebenfalls von der Stelle.   Jetzt gehts aber los!  Wenden, Motor hochfahren, zurück an die Stelle und ...... da sind sie wieder. Den Köder biete ich etwas tiefer an, die Herrschafften wollen sich heute nicht so hoch hinauf quälen. Verstehe ich bei der Schwüle, von daher komme ich ihnen etwas entgegen . Kleine Klopfserie - gleiches Spiel wie zuvor. Kurz nachklopfen wieder erheben sich die Echos auf Köderlinie.

Beide Fische verweilen am Köder. Was wird Das?! Obligatorischer Sekundenblick zur Rutenspitze, die ist bis kurz unter die Wasseroberfläche gebogen, kein Schnur nehmen, kein Rollenknarren. Das Echo zeigt beide Fische am Köder über dem Grund.  

Mein ungewöhnlichster Biss. Rute fassen und Bremse weiter schließen ist ein Handgriff - da hängt was. Das Was rührt sich aber nicht. Keine Flucht oder Bewegung.

Das Boot fängt an, bedingt durch die Zugkräfte, sich um die Stelle zu drehen. Ein Hänger? Ein Baum? - Auf dem Echo ist kein Baum, sondern der Köder und ein Fisch, etwa 2,5 Meter  über dem Grund, sind deutlich sichtbar.  Da ist Pumpen angesagt und nun kommt doch Bewegung in den Fisch.

Mit Nachdruck verschanzt er sich unter dem Boot, doch nach und nach kann ich ihn überzeugen, sein Vorhaben aufzugeben.In der klaren Tiefe erkenne ich zum ersten Mal eine breite, lange weisse  Linie, nicht der Kleinste. Nach und nach kocht das Wasser förmlich neben dem Boot und nach einigen weiteren Minuten geht der heldenhafte Kampf dieses Fisches dem Ende  entgegen.

Entschlossen beende ich den Kampf. Wir sehen uns beide etwas ausgepowert in die Augen, dennoch lande ich ihn sicher. Der Fisch ist am kleineren Angsthaken gescheitert, der sicher vorn im Maulwinkel hängt.

 

Ehrfürchtig ziehe ich symbolisch meinen Hut vor diesem Fisch. Er hat mir mehr als deutlich gezeigt, welche Überlegenheit er in seinem Element ausspielen und mit welcher Tapferkeit  ein Lebewesen kämpfen kann.

Ich verneige mich ebenfalls tief vor den Göttern des See`s, die mir diese Begegnung ermöglichten.

Auf ein Neues !

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