Der etwas andere Fang          10/14

Neulich zeigte sich wieder einmal, das Anglers Glück und Anglers Leid dicht beieinander liegen.


Wie viele Fische, schlängelt sich Meister Wels des Nächtens im Schutz markanter Bodenprofile entlang, auf der Suche nach Nahrung.

Das Echolot zeigte ein solches Gebiet mit viel versunkenem Holz unweit des Ufers. Somit ein vermeintlicher Hot Spot. Selbstverständlich gehörten unsere Köder genau in diesen Bereich.

 

Gesagt, getan. Abends die Montagen in Stellung gebracht und nun hieß es abwarten.

Die Sonne hatte sich längst hinter dem  Horizont verabschiedet und ihr Revier dem Mond überlassen, nur unter Wasser blieb alles ruhig.

Mitternacht lag nun auch hinter uns, aber  - Ruhe!  -. Das wird nichts, dann kann ich mich auch aufs Ohr haun, ging es mir durch den Kopf.

 

Gerade ist alles zurecht gerückt, zerreißt  ein freudig wildes Gebimmel die Nacht. Wie von der Tarantel gestochen, halb über den neben mir liegend, ungläubig schauenden Hund stürzend, erreiche ich die Rute.  Die Spitze zuckt wie ein überdemensionaler Finger ruckartig in Richtung Wasser. Wiederwillig knarrend gibt die Rolle immer wieder einige Zentimeter Schnur frei.

Mit ein paar Handgriffen geht der Drill auch schon los. Der Fisch hängt und  kommt dummerweise auf mich zu. Schwierig die etwaige Größe einzuschätzen. Ganz treu und brav folgt der Fisch dem Zug der Schnur.

Das wird leicht denke ich. Als hätte Welsi meine Gedanken gelesen, machte  er kehrt und verschwindet ohne jegliches Halten in die Richtung aus der er kam.

Nun kam es, wie es kommen musste. Zielgerichtet steuerte der Kollege in das Wurzelwerk und gab sich dabei enorme Mühe, die Schnur auch richtig darin zu verzurren. Unser eins steht mit zum Flitzbogen gespannter Rute ohne Bewegung am anderen Ende.




Um eventuell noch etwas zu retten, war nun Boot-Pulling angesagt. Nach einigen Minuten bin ich zum Hindernis herangestrippt. Noch ist die Leine straff. Etwas hin und her, hoch und runter, ziehen und ziehen, dann kann ich wieder Schnur aufnehmen.

Irgend etwas kurbel ich langsam an die Oberfläche, aber ich weiß nicht was.    Plötzlich hallt ein lautes Krachen durch die Nacht. Verfi....... die Rutenspitze hat den Geist aufgegeben. Jetzt erst recht, weiterkurbeln.


Wie eine emporsteigende Medusa, erscheint eine etwa 1qm große Wurzel im Schein der Lampe an der Wasseroberfläche, fast so als würde sie mir den gewissen Finger zeigen. Vom Fisch keine Spur mehr.

Mit letzter Kraft wuchte ich den ganzen Scheiss ins Boot und mache mich auf den Rückweg zum Ufer.

Zur allgemeinen Belustigung, wurde der Fang präsentiert. Das Sea Boom hatte sich perfekt in einer Wurzelgabel plaziert und das verschleimte Vorfach war vor dem Fanghaken gekappt.

Dafür gab es einige Gratiswobbler und jede Menge alte Schnur.

Warum soll es uns besser gehen, wie anderen. Wenn der nächste Walli zuschlägt ist so etwas vergessen. Leider musste eine neue Rute her.